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15.01.2008
Kurse des Fachgymnasiums besuchen die JVA Sehnde
Kurse des Fachgymnasiums besuchen die JVA Sehnde

Schwarz-weiße Sträflingskluft, dunkle, dreckige Gänge und einen zubetonierten Innenhof, so werden sich die meisten wohl einen „Knast“ vorstellen. Die JVA Sehnde überzeugt vom Gegenteil. „Jugendherbergsflair“ ist wohl eher der erste Gedanke im Inneren der JVA. Dass es sich aber nicht annähernd um eine „Freizeitheim für böse Buben“ handelt, davon konnten sich nun Schülerinnen und Schüler des Fachgymnasiums Wirtschaft und Technik vor Ort selbst überzeugen.

In ihrem Religionskurs zum Thema „Strafe: Tor zur Versöhnung?“ beschäftigten sie sich bereits intensiv mit den gängigen Theorien rund um den Strafvollzug. Um aber auch die Praxis und die reale Umsetzung der Straftheorien kennen zu lernen, stellte Religionslehrer Mike Thielert den Kontakt zu dem Gefängnisseelsorger Thomas Aehnelt her. In einer Vorbereitungsstunde vermittelte dieser bereits ansatzweise, wie Haftalltag im „Knast“ aussieht und mit welchen Problemen Häftlinge zu kämpfen haben.

Der Besuch der JVA war schließlich mit einiger Aufregung seitens der Schülerinnen und Schüler verbunden. Die intensiven Kontrollen am Eingang, der viele Stacheldraht an allen potenziellen Fluchtpunkten, die vielen Türen, die nur in bestimmter Folge von dem begleitenden Mitarbeiter geöffnet werden können, zeigen bereits sehr deutlich: Hier wird alles kontrolliert und abgesichert. Ein ungewohntes, mulmiges Gefühl breitet sich da bei allen Beteilgten aus.

Höhepunkt des Besuchs waren Gespräche mit Häftlingen, die den Haftalltag beschrieben und von ihren Sorgen und Problemen berichteten. „Da haben wir einen tollen Sportplatz, dürfen aber nur sehr selten drauf, weil nicht genug Sportbeamte zur Verfügung stehen,“ beschreibt einer der Häftlinge und ergänzt, „der Haftalltag ist von Langeweile geprägt, man versauert hier nach und nach.“  Die Rolle von Seelsorger Thomas Aehnelt wird dabei schnell deutlich: Während sich ein Häftling gegenüber den Beamten immer in seinen Äußerungen beherrschen muss, um nicht evtl. dafür belangt zu werden, können sie hier ganz frei aussprechen, was sie bedrückt. Für Aehnelt ist die Betreuung der Täter kein Widerspruch mit der Bibel: Gefangene sind Menschen wie du und ich und im Knast sind sie die Schwächsten. Und derer muss sich ein Christ annehmen.

Für die Schülerinnen und Schüler wurde in den Gesprächen sehr deutlich, dass Strafe für eine Tat zwar sein muss, aber Wegsperren allein nicht die Lösung sein kann. Der Mensch wird durch die Entmündigung im Haftalltag nicht besser. Wenn sich dann nach beispielsweise 15 Jahren für einen Häftling die Türen in die Freiheit wieder öffnen, kennt dieser infolge der massiven Kürzungen im Strafvollzug oft nicht einmal Handy und Euro, weil Resozialisierungsmaßnahmen auf ein kaum erkennbares Minimum begrenzt wurden. Die Sicherheit vor inhaftierten Straftätern ist der Bevölkerung wichtiger als Prävention und Wiedereingliederung. Nicht nur den beiden Häftlingen, die sich kaum mehr aus der Gesprächsrunde verabschieden wollten, macht dieser Trend Angst vor der Zukunft. Bei den Schülern bleiben die Erkenntnisse, dass zwischen Straftheorie und Praxis ein eklatanter Unterschied besteht sowie auch Straftäter sehr nette Menschen sein können, die genauso „ticken“ wie wir in Freiheit lebende.  

Tasja Prentkowski (Schülerin des FG Lehrte - Wirtschaft)
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